Das selbst genähte Outfit an Weihnachten

Planung ist alles

Yeah… Unglaublich! Ich laufe zur Bestform auf. Der November ist noch jung und ich habe mein erstes Weihnachtsoutfit fertig! Normalerweise bin ich eher auf den letzten Drücker fertig oder trage dasselbe selbstgenähte Kleid an Weihnachten wie im Vorjahr, weil die Zeit nicht mehr gereicht hat etwas Neues zu nähen. Damit es dir nicht so geht, versorge ich dich hier und auf Instagram in den nächsten Wochen regelmäßig mit Inspirationen für dein selbstgenähtes Weihnachtsoutfit. Auf Instagram hast du gerade eine tolle Gewinnchance!

Frau Tomma von Studio Schnittreif und Kleid “Mein Mittsommer” von Lotte & Ludwig

Alte Schnittmuster – neu entdeckt

Bereits im letzten Blogbeitrag habe ich dir davon erzählt, dass ich manchmal auch alte Schnittmuster neu für mich entdecke. Sei mal ehrlich… Gekauft ist der neuste Schnitt schnell. Oft fristet er dann allerdings ein trauriges Dasein auf deiner Festplatte ohne überhaupt zum Kleidungsstück zu werden. Deswegen versuche ich neue Schnittmuster nicht immer gleich zu kaufen, sonder auch mal auf Altbewährte zurück zu greifen oder erst dann zu kaufen wenn ich konkret mit dem Nähen dieses Stückes anfange.

Stoffkunde – Das kleine 1×1 der Stoffwahl

Dass Frau Tomma eine Wiederholung findet war klar. Ich bin einfach so begeistert, dass die Jacke schnell genäht ist und trotzdem so toll aussieht. Damit dir deine Frau Tomma auch gut gelingt, habe ich wichtige Punkte für die Stoffwahl und weiter unten Nähtipps für dich. Das Schnittmuster “Mein Mittsommer” war schon früher ein Dauerbrenner bei mir. Ich habe 2 Kurzarm-Varianten (Rosa Bluse, Schwarze Bluse), eine Langarmbluse und ein Kleid. Für die langen Ärmel gibt es die Erweiterung Wintersonne zum E-Book. Irgendwie ist der Schnitt dann aus meinem Blickfeld geraten. Jetzt habe ich ihn wieder rausgekramt und mich neu in ihn verliebt! Für beide Schnittmuster eignen sich weich fallende und fließende Stoffe besser als festere Baumwollstoffe. Gerade bei Frau Tomma ist die Stoffwahl sehr entscheidend für das Ergebnis! Die Vorderteile fallen am schönsten aus fließenden Stoffen. Wenn du Angst vor flutschiger Webware hast, verrate ich dir mein Erfolgsgeheimnis.

Gewicht des Stoffes

Einen ersten Anhalt über die Beschaffenheit des Stoffes gibt dir das Stoffgewicht. Das wird in der Regel entweder in Gramm pro laufenden Meter (g/lfm) oder in Gramm pro Quadratmeter (g/qm) angegeben. Je niedriger das Stoffgewicht ist, umso dünner ist also der Stoff. Liegt das Gewicht unter 100 g/lfm, ist der Stoff sehr leicht. Dazu zählen z.b. leichte Baumwollstoffe wie Batist, Voile, einlagige Baumwoll Gaze oder dünne Seidenstoffe. Stoffe deren Gewicht zwischen 100 und 150 g/lfm liegen sind, “normal” dünne Stoffe. Hier findet man eine große Auswahl an Vikosestoffen, Musselin, Double Gauze oder weiteren Baumwollstoffen wie z.b. Popeline. Diese Stoffe eignen sich sehr gut für Blusen, Kleider, Hemden und auch Röcke. Liegt das Stoffgewicht über 150 g/lfm ist der Stoff schon dicker und schwerer. Da kommt es dann auf das Material an, ob der Stoff trotzdem noch einen fließenden Fall hat und für welche Kleidungsstücke der Stoff geeignet ist. Gerade für feine Hosen, elegante Röcke oder auch Etuikleider eignen sich schwerere Stoffe, wie z.b. reine Schurwolle oder auch Baumwoll- / Wollgemische bestens. Leider sind die Hersteller nicht verpflichtet das Stoffgewicht anzugeben. Daher ist das Gesicht nicht in allen Produktbeschreibungen enthalten.

Material

Auch das Material dient als wichtige Informationsquelle für die Eigenschaften eines Stoffes. Viskosestoffe sind in der Regel fließender im Fall als Baumwolle. Viskose ist die älteste künstliche Faser und wird aus natürlichen Materialien (z.b. Fichten-, Buchenholz) hergestellt. Je nach Länge und Dicke der hergestellten Fasern ist der Stoff am Ende dicker oder dünner. Deswegen braucht man zur weiteren Einschätzung im Idealfall auch das Stoffgewicht.

Auch Mischgarne aus Viskose, Seide, Wolle und Baumwolle kommen in Frage wenn man einen leicht fließenden Stoff sucht. Reine Baumwollstoffe sind vom Fall her meist eher steifer. Dadurch lassen sie sich leichter zu Blusen oder Kleidern verarbeiten, die beispielsweise viele kleine Schnittteile haben und sehr exaktes Arbeiten erfordern. Die Stoffe selbst haben oft schon einen guten Stand. Je nach Schnittmuster ist dieser Stand erwünscht und man benötigt sogar zusätzlich noch Bügeleinlagen um das Kleidungsstück in Form zu halten. Für Frau Tomma sind solche Stoffe nicht geeignet. Auch eine Bluse oder Kleid nach dem Schnitt “Mein Mittsommer” fällt ganz anders aus festerer Baumwolle. Ich habe für Frau Tomma diesmal eine Mischung aus Baumwolle und Viskose verwendet. Der geblümte Stoff aus Japan besteht aus 55% Baumwolle und 45% Viskose. Es ist ein sehr leichter Stoff (das Gewicht ist mit leider nicht bekannt) und dadurch trotz des hohen Baumwollanteils gut geeignet. Damit die Vorderteile schön fallen, habe ich sie mit dem Viskose Crêpe in Forest von Atelier Brunette gefüttert. Die Farbe passt hervorragend zu den Blättern des japanischen Blumenstoffes. Für das Kleid habe ich einen wundersschön weichen blauen Baumwolle-Kaschmir-Stoff aus 85% Baumwolle und 15% Kaschmir verwendet. Obwohl der Kaschmiranteil so gering ist, wird der Fall des Stoffes dadurch sehr weich. Kaschmir ist sehr wärmend, wenig knitteranfällig und kann außerdem Feuchtigkeit gut aufnehmen. Prima Eigenschaften für die kalte Jahreszeit.

Das Gewicht des Stoffes sowie das Material sind für alle Stoffarten von Bedeutung. So lässt sich auch z.B. die Dicke eines Jersey-Stoffes besser einschätzen, wenn man das Stoffgewicht beachtet.

Nähtipps – Viskose und andere flutschige Stoffe

Viskose ist ein flutschiger Stoff, der das ein oder andere Nähherz schon mal schneller schlagen lässt, weil der Respekt davor so groß ist. Aber wenn du dich das erste Mal getraut hast, wirst du begeistert sein vom angenehmen Tragegefühl deines neuen Kleidungsstückes.

Vorwaschen oder nicht?

Vorneweg gilt natürlich (wie im übrigen immer): Stoff bitte vorwaschen. Ich mache das konsequent immer und das hat sich wirklich bewährt. Nichts ärgerlicher als ein eingelaufenes Stück in dem viel liebevolle Arbeit steckt und das dann nach dem ersten Waschen nicht mehr passt! Ich wasche Stoffe immer bei 30 Grad mit Flüssigwaschmittel vor. Um die Umwelt zu schonen mache ich das immer mit der normalen Wäsche zusammen, bisher hat sich bei mir noch nie etwas verfärbt. Zur Sicherheit kann man natürlich auch ein Farbfangtuch mitwaschen. Stoffe mit Wollanteil sollten natürlich nur im Wollwaschprogramm gewaschen und vor allem mit niedriger Drehzahl geschleudert werden. Ich hänge Viskose immer im Bruch ohne Wäscheklammern auf. Handelt es sich um eher dünne Stoffe, kann man sie auch zuerst im Bruch falten und dann über die gesamte Länge nochmal zusammenlegen, damit sie auf einen normalen Wäscheständer passen. So verzieht sich nichts und man hat es beim Bügeln leichter. Viskose muss vor dem Zuschnitt natürlich gebügelt werden, sonst liegt der Stoff nicht glatt.

Zuschneiden von Viskose

Beim Zuschneiden ist es wichtig den Stoff UND das Schnittmuster zu beschweren. Klar, das Schnittteil selbst wirst du eh schon immer feststecken oder auch mit Nähgewichten beschweren. Damit alles ohne zu verrutschen liegen bleibt, hilft es auch den Stoff um die Schnittteile herum zu beschweren. Ich breite auch immer den ganzen Stoff aus und lege direkt alle Schnittteile drauf. So musst du nichts neu legen und kannst leichter den Fadenlauf einhalten. Zum Schneiden eignet sich prinziepiell ein Rollschneider ebenso wie eine Stoffschere. Viel wichtiger ist, dass die Klinge scharf ist. Beim Zuschnitt mit dem Rollschneider solltest du darauf achten die freie Hand immer ausgebreitet zum Halten des Stoffes mitzuführen. Allein die Bewegung des Rollschneiders kann sonst die beiden Stofflagen gegeneinander verschieben. Deswegen benutze ich den Rollschneider für kleine Teile oder lange gerade Schnittkanten. Rundungen und große Schnittteile schneide ich lieber mit der Schere. Dabei führe ich die Schwere so flach wie möglich über die Unterlage, so muss ich den Stoff nicht weit anheben.

Nähen von flutschigen Stoffen

Zum Nähen solltest du eine Universal-Nadel verwenden. Generell gilt je feiner der Stoff ist, umso dünner muss die Nadel sein. Ich verwende meist Nadeln der Stärke 70. Es gibt aber auch noch dünnere Nadeln, ab Stärke 60. Wenn du einen sehr feinen Stoff hast, kommst du evtl. mit Microtex-Nadeln besser zurecht. Diese Nadeln sind besonders spitz und dünn und speziell für sehr feine Stoffe geeignet. Ich verwende immer nur hochwertige Nadeln von Schmetz, das spart auch oft Ärger. Für ein besonderes Projekt darf es auch mal eine neue Nadel sein… Denn manchmal übersieht man kleine Beschädigungen an der Nadeln mit dem bloßen Auge auch. Eine Übersicht über verschiedene Nadel-Typen gibt es im Nadel-ABC von Schmetz. Das hilft auch weiter wenn man nicht mehr weiß welche Nadel gerade überhaupt in der Maschine ist. 😉

Webware muss immer versäubert werden! Das geht natürlich am einfachsten mit der Overlock. Aber auch mit der Nähmaschine und einem Zick-Zack-Stich geht das gut. Wenn du mit dem Zick-Zack-Stich nähst, sollte die Nadel auf der einen Seite gerade ins Leere stechen. So stellst du sicher, dass die Naht genau die Stoffkante umschließt. Sonst franst der überstehende Stoff natürlich beim Tragen und Waschen aus. Manche Maschinen haben einen besonderen Overlock-Stich, der eignet sich ebenso zum Versäubern. Eine ganz edle Möglichkeit zur Verarbeitung ist natürlich eine französische Naht. Dabei sollte die Nahtzugabe midestens 2x so breit sein wie üblich. Die Schnittteile werden dann zuerst links auf links mit einem Geradestich und einer Nahtzugabe von 0,7 cm zusammengenäht. Dann wird die Nahtzugabe eingekürzt (ACHTUNG: nicht zu knapp arbeiten, das reißt sonst später gerne aus), ich mach das mit einer kleinen Fadenschere. Die einzelnen Schnittteile werden dann wieder rechts auf rechts gelegt, gebügelt und erneut mit einer Nahtzugabe von 0,7 cm abgesteppt. An langen geraden Nähten, wie z.b. den Seitennähten einer Bluse, lässt sich das gut üben.

Zum Stecken sind feine Stecknadeln wie diese Stahlstecknadeln von Prym ideal. Dicke Stecknadeln beschädigen evtl den Stoff, Stoffklammern hinterlassen oft unschöne Druckstellen oder verziehen dünne Stoffe leicht. Ebenso wie bei der Nähmaschinennadel müssen auch beschädigte Stecknadeln ausgetauscht werden. Das kann man super testen, indem man mit der Nadel über eine Nylon-Strumpfhose streicht. Hakt es irgendwo, ist die Nadel nicht mehr intakt.

Säumen von Webware

Es gibt viele verschiedene Varianten um einen Saum ordentlich zu nähen. Eine sehr schöne Variante die zudem sauberes Arbeiten erleichtert, ist die Verarbeitung von Schrägband. Das Kleid habe ich mit einem fertigen Viskose-Schrägband von Atelier Brunette gesäumt. Ich mag das besondere Detail im Inneren, das nur manchmal heimlich hervorschaut. Eben solche Kleinigkeiten verleihen deinem Kleidungsstück eine persönliche Note!

Beitrag enthält Werbung

Studio SchnittreifFrau Tomma

Lotte & LudwigMein Mittsommer + Wintersonne

Verlinkt bei: Sew La La, Du für Dich am Donnerstag

Menü