Verarbeiten von Lycra

Tipps und Tricks zum Nähen von Bademode und Sportkleidung aus Lycra

In diesem Beitrag erfährst du alles Rund ums Nähen von Lycra, das Nähen von Sportkleidung und das Nähen von Bademode. Ich teile Tipps und Tricks zum Thema “Lycra nähen” mit dir.

Lycra Stoffe naehen

Lycra Stoff – Was ist das

Lycra ist Elasthan, das unter der Marke Lycra verkauft wird. Lycra ist also einfach eine extrem dehnbare chemische Faser die sich sehr gut für Sportkleidung und Bademode eignet. Lycra besteht aber meist nicht nur aus Elasthan sondern wird mit Polyester kombiniert. Der Lycra des schwedischen Labels Elvelyckan Design besteht beispielsweise aus 77% Polyester und 23% Elasthan und ist zudem Oekotex zertifiziert.

Nachhaltige Lycra Stoffe

Lycra Stoff nähen

Lycra verarbeiten

Das Thema Lycra Stoffe nähen schreckt viele Näherinnen ab. Aber Lycra nähen ist nicht schwer, wenn du ein paar Dinge beachtest. Ich zeige dir, was du wissen solltest, wenn du Lycra verarbeiten möchtest. Aus Lycra kannst du wunderbar Bademode nähen oder ein individuelles Sportoutfit nähen!

Zuschneiden von Lycra

Lycra ist bi-elastisch. Das bedeutet, dass der Stoff nicht nur quer zum Fadenlauf, sondern auch mit dem Fadenlauf dehnbar ist. Das bedeutet, du kannst deine Schnittteile auch quer zum Fadenlauf zuschneiden um Stoff zu sparen. Je nach Stoff ist die Dehnbarkeit allerdings nicht exakt identisch in beide Richtungen. Daher solltest du das immer direkt am Stoff überprüfen vor dem Zuschnitt. Achte darauf, dass der Stoff beim Zuschneiden nicht gedehnt wird. Oft wird zum Zuschnitt ein Rollschneider empfohlen. Ich bin allerdings auch gut mit meiner Schneiderschere zurecht gekommen.

Sportkleidung nähen aus Lycra - Stoff

Nähen von Lycra

Ehrlicherweise hatte ich große Angst vor dem Nähen von Lycra. Deswegen habe ich das Projekt Sportoutfit auch erstmal hinten angestellt. Aber mit der richtigen Ausstattung ist das Nähen kinderleicht und geht zudem noch ruckzuck, da ein Bade- oder Sportoutfit ja oft gar nicht so viele Schnittteile hat. Du brauchst zum Nähen von Lycra nicht zwingend eine Overlock, da die Schnittkanten nicht ausfransen.

Lycra vernähen – Nadelkunde

Wichtig ist, dass du eine Stretch Nadel verwendest, da diese speziell für gestrickte Stoffe mit Elasthan geeignet sind. Sie haben eine Kugelspitze, die zwischen den Maschen hindurch gleitet, ohne sie zu verletzen. Außerdem ist das Nadelöhr und die Hohlkehle (der Bereich über dem Nadeöhr) speziell geformt um Fehlstiche zu vermeiden. Sollten damit trotzdem Fehlstiche auftreten, verwende eine Super Stretch Nadel. Die Super Stretch Nadel hat ein verbreitertes Öhr sowie eine verbreiterte Fadenrinne und ist speziell zum Nähen von hochelastischer Maschenware geeignet. Du solltest allerdings beachten, dass die Super Stretch Nadel das Nadelsystem HAx1 SP hat. Damit ist sie auch für einige Overlock-Maschinen geeignet. Schau am Besten in der Anleitung deiner Nähmaschine nach! Ich kann mit meiner Pfaff Expression 3.2 jedoch problemlos mit der Super Stretch Nadel nähen, obwohl in der Anleitung das Nadelsystem 130/705 H genannt ist. Diese Nadeln unterscheiden sich im Kolben und der Länge nicht.

Super Stretch Nadel

Stretch Nadeln der Marke Schmetz erkennst du an der oberen gelben Farbmarkierung. Super Stretch Nadeln von Schmetz haben eine graue Farbmarkierung. Wusstest du, dass die untere Farbmarkierung bei Schmetz für die Nadeldicke steht? In der Mediathek von Schmetz findest du eine Übersicht, die habe ich immer neben meiner Nähmaschine griffbereit. Im Nadel-ABC von Schmetz findest du außerem detaillierte Angaben über Merkmale und Verwendung zu allen Nadeltypen von Schmetz.

Schmetz Nadel-ABC

Weitere Tipps zur Verarbeitung von Lycra

Verwende am besten Stoffklammern statt Stecknadeln, so kannst du keine Masche beschädigen. Falls deine Nähmaschine einen Obertransport hat, verwende ihn. Auch ein verstellbarer Nähfußdruck ist von Vorteil. Falls deine Naht sich wellt, kannst du den Nähfußdruck reduzieren. Wenn du mit der Overlock nähst, achte auch hier auf passende (Super) Stretch – Nadeln. Evtl. musst du den Differentialtransport deiner Overlock erhöhen, damit du eine optimale Naht erhältst. Damit deine Naht nicht mit der Zeit ausleiert und schön anliegt, wird in der Nahtzugabe ein Gummiband eingearbeitet. Verwende dazu entweder Framilastic oder ein spezielles Badegummi (nicht überall erhältlich). Ich habe mit Framilastic gearbeitet. Probiere das mit ein paar Probestücken aus. Ich habe das Familastic zu Beginn etwas zu stark gedehnt, daher liegt die Naht am Sport – BH nicht so schön flach sondern kringelt sich. Beim tragen legt sicht trotzdem alles schön an, von daher ist das nicht weiter tragisch. Den richtigen Zug hast du schnell raus, dann wellt sich auch nichts mehr!

Framilastic

Lycra mit der Nähmaschine nähen – Stichwahl

Du solltest einen elastischen Stich verwenden. Ich habe mit dem Zickzack-Stich gesäumt, alternativ geht natürlich auch eine Naht mit der Zwillingsnadel. Da aber Bademode eng auf der Haut anliegt, wollte ich so wenig Fäden wir möglich auf der linken Stoffseite. Da gefällt mir das Nähergebnis mit einem Zickzack-Stich einfach am besten. Du kannst aber ebenso das elastische Nähgarn von Seraflex verwenden. Seraflex ist als Ober- und Unterfaden geeignet und du erhälst damit einen elastischen Geradstich. Teste das am besten an deinem Stoff, welche Naht deiner Nähmaschine sich am besten dehnen lässt.

Lycra Stoffe vernähen

Lycra mit der Overlock nähen – Besonderheiten

Bauschgarn

Wenn du mit der Overlock arbeitst, kannst du auch sogenanntes Bauschgarn verwenden. Bauschgarn ist nicht verzwirnt, du erkennst die einzelnen Fäden. Dadurch ist der Faden besonders weich und die Naht wird ein wenig “bauschig”. Bei gekaufter Sport- oder Badekleidung findest du häufig solche Nähte. Bauschgarn von Güterman heißt Bulky – Lock und ist in verschiedenen Stärken erhältlich: 80 und 160. Je höher die Zahl bei der Stärkeangabe eines Nähgarns ist, desto feiner ist das Garn. Bulky – Lock 80 macht also eine voluminösere Naht, als Bulky – Lock 160. Meist wird Bauschgarn nur als Greiferfäden verwendet. Das Bulky – Lock kann aber auch als Nadelfaden eingesetzt werden. Wirf am besten einen Blick in die Anleitung deiner Overlock oder Coverlock und probiere aus, was dir am besten gefällt!

Bauschgarn

Flatlock – Naht

Die Flatlock – Naht ist eine besonders flache Naht, die sich vor allem für enganliegende Kleidungsstücke oder als optische Highlight verwenden lässt. Diese Naht ist also ideal zum Bademode nähen oder zum Nähen von Sportkleidung. Um eine Flatlock-Naht zu erhalten, müssen die Fadenspannungen besonders eingestellt werden. Am Ende wird die Naht dann auseinander gezogen um die typische Optik zu erhalten. Ihr könnt wählen welche Seite der Naht am Ende auf der Oberseite sichtbar sein soll: Entweder die “Leiter-Seite” oder die “Raupen-Seite”. Je nach dem müsst ihr die Stoffe rechts auf rechts oder links auf links legen beim Zusammennähen.

Lycra Stoff nähen Flatlock Naht

Der Flatlock-Stich ist in der Bedienungsanleitung eurer Overlock erklärt. In der Anleitung meiner Babylock Enspire ist die 2-Faden-Flatlock-Naht erklärt. Ich wollte aber lieber eine 3-Faden-Flatlock-Naht verwenden und habe dazu folgende Einstellugen gewählt:

Linke Nadel – Fadenspannung 0

Rechte Nadel – entfernt

Obergreifer – Fadenspannung 3,5

Untergreifer – Fadenspannung 6

Das sind meine persönlichen Erfahrungswerte an meiner Babylock Enspire. Auf jeden Fall solltet ihr an eurer Maschine mit den Einstellungen spielen und sie entsprechend anpassen. Generell gilt, dass die Fadenspannung des Nadelfadens ganz niedrig sein muss. Die Fadenspannung des Obergreifers sollte im mittleren Bereich liegen. Der Untergreifer braucht eine höhere Fadenspannung. Außerdem solltet ihr die Stichbreite so breit wie möglich einstellen. Ich habe sie auf 7,5 gestellt. Ich habe normales Overlockgarn verwendet, da ich kein farblich passendes Bauschgarn hatte. Das geht auch! In meinem Reels-Video auf Instagram seht ihr wie ich die Naht am Ende auseinander ziehe.

Lycra verarbeiten Flatlocknaht

Nähen mit Lycra

Lycra – Schnittmuster-Tipps

Ich rate dir dazu auf jeden Fall auf ein Schnittmuster, das speziell für hochelastische Stoffe konzipiert ist, zurückzugreifen. Gerade Sportkleidung sollte natürlich fest am Körper anliegen und trotzdem nicht einengen. Da Lycra eben sehr dehnbar ist, muss das bereits bei der Erstellung eines Schnittmusters einberechnet werden. Bei Bademode ist es natürlich ebenso wichtig, dass sich im Wasser nichts weitet. Ich habe mir zum Einstieg ein Sportoutfit Bali nach den Schnittmustern von NIKA studio genäht und bin begeistert von der Passform! Für einen guten Halt habe ich den Sport-BH doppellagig verarbeitet. Auf meiner Wunschliste steht aber noch der Badeanzug von Make it yours – The Label. Wenn du dir also auch Bademode nähen möchtest, wirst du hier bestimmt fündig!

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